22. Februar 2026
28. Niederländisch - Deutsches Kinder- und Jugendtheaterfestival
28. Nederlands - Duits kinder- en jeugdtheaterfestival
Neben den Preisträger*innen empfahl die Jury folgende Texte an Verlage und Theatergruppen zur Inszenierung und hat sie in den Stückepool aufgenommen.
Stückepool 2026
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Sigrid Behrens (D) mit dem Stück „ „Worte machen“
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Marc Becker (D) mit dem Stück „ „Lügen lernen“
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Lili Roesing (D) mit dem Stück „Rückenschwimmen“
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Lena Gorelik (D) mit dem Stück „Der wiedergefundene Freund“
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Sergej Gößner (D) mit dem Stück „Ich sehe was / was du nicht siehst“
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Maja Mick (D) mit dem Stück „MEINS MEINS MEINS“
Worte machen von Sigrid Behrens (D) 6+
Änne ist stumm, obwohl ihre Sprachorgane gesund sind. Ihre Eltern versuchen alles, um das Kind zum Reden zu bewegen, erreichen allerdings mit dem ununterbrochenen nichtssagenden Redeschwall, mit dem sie das Kind bestürmen, ohne auf dessen Bedürfnisse einzugehen, das Gegenteil – Änne „versteht sich“ nur mit Menschen, die ihr wirkliche Aufmerksamkeit zuteilwerden lassen.
Das Wesentliche passiert in diesem Stück im Kopf. Ännes Stummheit so darzustellen, dass klar wird, wie viele Worte ihr Schweigen begleiten, dürfte eine Herausforderung an die Regie sein, die sich jedoch lohnt: Ein ungewöhnliches Sprachkunstwerk über kindliche Sprachlosigkeit, das sehr viel über gelungene Kommunikation zwischen Erwachsenen und Kindern erzählt.
Lügen lernen von Marc Becker (D) 9+
Auf der Bühne wird vor allen Augen ein Kunstwerk zerstört; die verursachende Bühnenfigur streitet das jedoch vehement ab, als sie dessen beschuldigt wird. Es entspinnt sich unter geschickter Einbeziehung des Publikums eine Debatte über die Natur des Lügens.
Am Beispiel der „Notlüge“, wegen Krankheit die Mathearbeit nicht mitschreiben zu können, werden noch einmal alle dem Zielpublikum bekannten Argumente für und gegen das Lügen durchgespielt; sogar Münchhausen als Meister der Lügengeschichten wird mit einbezogen. Am Ende sind die beteiligten Kinder sicher ihrem eigenen Lügenverhalten auf äußerst unterhaltsame Weise ein wenig mehr auf die Spur gekommen.
Rückenschwimmen von Lili Roesing (D) 13+
Der Autorin gelingt hier ein großes Stück zum Thema Freundschaft: Es geht um das Gefühl der Sicherheit innerhalb einer Mädchenclique, ein sich Aufgehobenfühlen, solange die Ereignisse in gewohnten Bahnen verlaufen, und um die Erschütterung, die diese Gewissheit erfährt, wenn etwas aus dem Ruder läuft. In diesem Fall wird eins der Mädchen Opfer eines sexuellen Übergriffs, der sie so erschüttert, dass sie keine Worte dafür findet, nicht für sich selbst und nicht für die Freundinnen – ein Graben tut sich auf und das System Freundschaft bekommt einen Riss.
„Als Teenager denkt man jeden Tag aufs Neue, man hätte sich jetzt gefunden.“ Das Coming of age-Drama RÜCKENSCHWIMMEN bietet dem jungen Publikum für seine Suche eine stilsichere Identifikationsplattform.
Der wiedergefundene Freund von Lena Gorelik (D) 14+
Eine kluge, feinfühlige und zugleich verstörend gegenwärtige Fortschreibung der Novelle von Fred Uhlmann. Wir begegnen jungen sympathischen Protagonisten, erleben Nähe, Bewunderung, Verunsicherung – zeitlos, beinahe vertraut. Die Figuren ringen um Zugehörigkeit, um Identität, um Freundschaft über soziale Unterschiede hinweg.
Die Fragen, die hier verhandelt werden, könnten aus unserer Gegenwart stammen. Erst sehr spät wird offenbar, in welcher Zeit diese Handlung tatsächlich spielt: im Schatten des aufziehenden Nationalsozialismus. Was zunächst wie eine universelle Geschichte über Jugend und Freundschaft erscheint, wird rückwirkend zu einem Dokument zunehmender Ausgrenzung und ideologischer Verhärtung. Ein erzählerischer Kunstgriff, der uns zwingt, unsere eigene Wahrnehmung zu überprüfen. Wie lange übersehen wir die Zeichen? Wie lange erscheinen uns gesellschaftliche Verschiebungen als Randphänomene? Und wie plötzlich kippt Normalität in Bedrohung?
Lena Gorelik gelingt es, Uhlmanns Stoff nicht museal zu bewahren, sondern ihn in unsere Gegenwart hinein zu öffnen. So wird DER WIEDERGEFUNDENE FREUND zu mehr als einer literarischen Erinnerung – er wird zu einer Mahnung, die uns erst spät, aber umso nachhaltiger trifft. Dieser Text gehört auf alle Bühnen für junges Publikum in dieser Republik.
Ich sehe was / was du nicht siehst von Sergej Gößner (D) 14+
Deutsche Fassung - Wie richtig hat man alles in Erinnerung? A & B spielen beide eine Person, einen Jungen. Dieser hat eine Lücke in seiner Erinnerung. Beim Flaschendrehen auf einer Party soll er Lea küssen (mit Zunge!), obwohl er sie nicht sehr mag. Später ist er mit ihr allein im Zimmer, aber da ist von ihm aus nichts passiert, er ist sowieso nicht besonders kuschelig und an Lea nicht interessiert… Dennoch: Die Erinnerung an diesen Abend verfolgt ihn. Er weiß, da war was, aber was? Vielleicht ein Jahr später, auf einer anderen Party stellt sich heraus: Alles war anders als in seiner Erinnerung. Er hat Lea nicht ‚einfach sitzen lassen‘, wie ihm später vorgeworfen wird, sondern er selbst war Opfer!
Eine Situation die ‚normalerweise‘ aus der weiblichen Perspektive erzählt wird, wirkt hier besonders, weil man sie nicht erwartet. Verdrängung und Freeze (statt Fight) machen diese Erfahrung unbewusst zu einem ekligen Ereignis, in dem das Opfer die Schuld nur bei sich sucht. Diese Geschichte gewinnt an Bedeutung, da sie von zwei Schauspieler*innen gespielt wird. Mal versuchen sie, den Abend gemeinsam zu erinnern, mal spielen sie die anderen Fragmente der Erinnerung nach, wie in einem Gespräch, das man mit sich selbst führt, um die Sache in den Griff zu bekommen.
Niederländische Fassung - Hoe goed werkt je herinnering? A & B spelen samen een persoon. Deze jongen heeft een gat in zijn herinnering. Op een feestje bij een klasgenote moet hij bij flesje draaien Lea zoenen (met tong!), ook al vindt hij haar niet speciaal. Later blijft hij met Lea achter in de kamer, maar daar gebeurt iverder niets. Ze hebben het niet gedaan of zo. Hijzelf is ook niet bepaald knuffelachtig of lichamelijk. De herinnering aan deze avond blijft hem echter achtervolgen. Hij weet dat er iets was, maar wat?
Misschien een jaar later, op een ander feestje, blijkt dat alles anders was dan in zijn herinnering. Hij heeft Lea niet ‘laten zitten’, hij was zelf het slachtoffer.
Een situatie die ‘normaal gesproken’ verteld wordt vanuit een vrouwelijk perspectief, komt in dit stuk extra hard aan, omdat je het niet verwacht. Verdringing en Freeze (in plaats van Fight), maken die ervaring onbewust tot een nare gebeurtenis waarin de hoofdpersoon de schuld alleen bij zichzelf zoekt. Het verhaal wint aan betekenis omdat het door twee spelers verteld wordt. Soms proberen ze zich samen die avond te herinneren, soms spelen ze ander personen of spelen ze delen van de herinnering na, als in een gesprek met jezelf, om grip op de zaak te krijgen.
MEINS MEINS MEINS von Maja Mick (D): 6+
Deutsche Fassung - Wer kennt es nicht? Wenn ausgemistet werden muss, sind alte und kaputte Sachen plötzlich doch ganz wichtig. So geht es auch Bolle, der mit Jo und Monsulei zusammenlebt und sich schwer von seinen gehorteten Dingen verabschieden kann. Was ihm gehört, darüber entscheidet er selbst, sagt er, beide Arme voller Kram.
Als die beiden anderen in einer Kiste auch noch ein lebendiges Wesen finden, werden sie allerdings unerbittlich: etwas Lebendiges kann man nicht sammeln. Abends lässt Bolle das geheimnisvolle Wesen aus der Kiste, es flattert gegen die Fensterscheibe und ist bezaubernd. Die Drei entscheiden, das Wesen freizulassen. Schade, dass es weg ist, es sei das Schönste, das Bolle je gesammelt hat; aber in seiner Erinnerung kann er es ja behalten! Als Bolle das kapiert hat, weiß er, dass er nicht alles aufheben muss.
Nachdem Bolle Anerkennung für seine Sammelwut bekommen hat, geht das Aussortieren ihm auf einmal viel leichter und was wirklich bleiben muss, kommt in die Kiste!
Niederländische Fassung - Wie kent het niet? Als er opgeruimd moet worden zijn oude en kapotte spullen plotseling toch heel belangrijk. Zo is het ook bij Bolle. Hij woont samen met Jo en Monsulei en kan maar moeilijk afscheid nemen van zijn verzameling spulletjes. Wat van hem is, daarover wil hij zelf beslissen, zegt hij met zijn armen vol rotzooi.
Als de twee anderen in een kist ook nog een of ander levend wezen vinden, zijn ze onvermurwbaar: iets levends kan je niet verzamelen. ’s Avonds laat Bolle het geheimzinnige wezen uit de kist, het fladdert tegen het raam en is betoverend mooi. Ze beslissen met z’n drieën om het vrij te laten. Jammer dat het weg moest, het was het mooiste uit Bolle’s verzameling. Hij zal het wezen altijd in zijn geheugen bewaren, zegt Bolle. En als hij dat begrepen heeft, weet hij dat hij niet alles hoeft te houden.
Nadat Bolle erkenning heeft gekregen voor zijn verzamelwoede, gaat het opruimen opeens veel makkelijker en wat echt moet blijven, kan in de kist!