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KAAS & KAPPES – ein Europa-Wettbewerb

Seit 28 Jahren schicken Autor*innen aus 5 Ländern ihre Werke nach Duisburg, um sich in unserem renommierten Wettbewerb mit den besten Dramatiker*innen für Kinder- und Jugendtheater aus dem niederländisch- und deutsch- sprachigen Raum zu messen.

Pressemeldung 22.02.2026

28. Niederländisch-deutscher Kinder- und Jugenddramatiker*innenpreis in Duisburg 2026

​Im Rahmen des Festivals „KAAS&KAPPES“ wurden am Sonntag, den 22.02.2026 im KOM´MA, dem Duisburger Kinder- und Jugendtheater, die Gewinner*innen des 28. niederländisch-deutschen Kinder- und Jugenddramatiker*innenpreises bekannt gegeben.

Frau Bürgermeisterin Edeltraud Klabuhn überreichte die Preise im Gesamtwert von 7.500 EUR für drei Theaterstücke.​

Von den 119 Texten, die in diesem Jahr aus fünf verschiedenen Ländern (Deutschland (98), den Niederlanden (8), Belgien (3), Österreich (7) und der Schweiz (3) am Wettbewerb teilnahmen, wählte die vierköpfige Jury, bestehend aus Chiara Tissen (NL), Renate Frisch (D), Rob Vriens (NL) und Manuel Moser (D), folgende Preisträger*innen aus:

  • Reineke Van Hooreweghe (B) für das Stück "NAAF" mit 3.000 €
     

  • Fabian Hartje (D) für für das Stück "SCHERBEN KINDER" mit 2.500 €

  • Jip Vuik (NL) für das Stück "KLASSENCARROUSEL" mit 2.000 €

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​Von Links nach rechts: Rob Vriens (Jury), Bürgermeisterin Edeltraud Klabuhn, Renate Frisch (Festivalleitung), Chiara Tissen (Jury), Jip Luik (Preisträger), Manuel Moser (Jury), Reineke Van Hooreweghe (Preisträgerin), Fabian Harte (Preisträger).


Download Pressefoto: Rechte Maustaste und "Speichern unter"

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​Download der vollständigen Pressemitteilung zu den Preisträgern 2026 mit eingehenden Hintergrundinformationen (6 Seiten PDF, 166 KB)

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Beste schrijvers, uitgevers en theatercollega ́s

De beslissing voor de autorenwedstrijd van het Kaas & Kappes festival van dit jaar is genomen. Er zijn 119 teksten ingeleverd, waarvan 8 uit Nederland, 3 uit België, 7 uit Oostenrijk, 3 uit Zwitserland en 98 uit Duitsland. De jury, bestaand uit Chiara Tissen (NL), Rob Vriens (NL), Manuel Moser (D) en Renate Frisch (D), heeft zonder kennis van de autoren de teksten gelezen.

 

Hier zijn de prijswinnaars:

  • Reineke Van Hooreweghe (B) voor het stuk „NAAF“ 3.000 €

  • Fabian Hartje (D) voor het stuk „SCHERBEN KINDER“ 2.500 €

  • Jip Vuik (NL) voor het stuk „Klassencarrousel“ 2.000 €
     

De motivatie voor de prijsuitreiking en de lijst van de stukken die in de Stückepool zijn opgenomen, zijn op het internet onder www.kaasundkappes.de te vinden.

Nog eens van harte bedankt voor jullie deelname en veel succes tot het volgende jaar!

 

Anja Klein Autor*innenwettbewerb

Renate Frisch Festivalleitung / info@kaasundkappes.de

 

 

Hier die Begründungen der Jury

 

Preise 2026:

  • NAAF von Reineke Van Hooreweghe (NL) 8+

  • SCHERBEN KINDER von Fabian Hartje (D) 14+

  • KLASSENCARROUSEL von Jip Vuik (NL) 4+/6+/8+ / Klassencarrousel van Jip Vuik (NL) 4+ 6+ en 8+

 

NAAF von Reineke Van Hooreweghe (NL) 8+

Es ist mir eine große Ehre, als leidenschaftliche Fahrradfahrerin, diese Laudatio über das Stück ‘Naaf’ halten zu dürfen. Aber ob ich nach dieser Laudatio noch stolz sein werde, eine Fahrradfahrerin zu sein... hm...

Hören Sie einfach zu und urteilen Sie selbst.

 

NAAF also, auf Deutsch: Nabe.

 

Die Nabe eines Fahrrads ist der Teil, der sich ganz in der Mitte des Rads befindet und der selbst still stehen bleibt, während das Rad dreht.

 

In diesem Stück ist Naaf der Name der Hauptfigur.

 

Es gibt eine Insel im Meer, dort wohnt eine Gemeinschaft, die immer vom Fischfang gelebt hat, die Insel hatte Fischkutter und Fischernetze und das Leben war zwar hart, aber man hatte genug. Das Meer gab und das Meer nahm, so ging es Jahrhunderte lang. Wie das Wellenspiel von Ebbe und Flut.

 

Bis an einem Tag ein Inselbewohner ein Gerät mitnahm vom Festland. Ein Gerät wie ein Pferd, nur aus Stahl, man musste es nicht füttern, es wurde nicht krank und... man konnte es auch selbst herstellen. Die Inselbewohner entwickelten von nun an das perfekte Fahrrad. Und das nicht nur für den Eigenbedarf, sondern es kam zu einer richtigen Massen-Produktion. Ein riesiges Schiff legte an, um die neuen Räder abzuholen und Geld zu bringen, was zu noch mehr Werkstätten auf der Insel führte. ‚Das Meer bringt die Kinder‘, so heißt es, aber es wurden immer weniger Kinder geboren. Bis Naaf unterwegs war, endlich wieder ein Kind! Naaf war die Hoffnung für die Zukunft der Insel.

Naaf jedoch erweist sich als große Enttäuschung: Der Junge mit der blauen Mütze, spricht nicht, er will nicht über Räder reden, ist lieber allein. Oder er setzt sich zu Nepke Boets, der alten Frau, die noch immer Fischernetze flickt und die Geschichte der Insel und ihrer Bewohner in die Knoten der Netze hinein verarbeitet.

 

Früher hat auf der Insel immer allen alles gereicht, jetzt sind die Bewohner weniger zufrieden, sind ungeduldiger, labern mehr. Bei Nepke findet Naaf Zuflucht. Sie schätzt sein Schweigen. Und weil es tagsüber so viel Lärm gibt auf der Insel, geht Naaf nachts hinaus und rennt über die Kliffs auf der Suche nach den Walen, deren Gesang er hören will. Steur, einer der Männer der Insel, wird böse auf ihn. Ist es väterliche Besorgnis über einen Sohn, der zu nichts taugt? Es ist entschieden: Naaf soll Rad fahren. Wie eine Art ‚Rite de passage‘, meint Steur. Das geht natürlich schief. Naaf schafft es einfach nicht, das Gleichgewicht zu halten, er stürzt und Nepke Boets muss ihn wieder aufrichten.

Mittlerweile kommen immer mehr Aufträge für immer mehr Fahrräder. Es muss gearbeitet werden, aber auch hierzu taugt Naaf nicht, seine Hände bleiben weiß, gegen die schwarzen Hände aller anderen Männer.

 

Naaf, der ein feines Gespür dafür hat, weiß, dass die großen Aufträge für die Wale nicht gut sind: sie bedeuten noch mehr Schiffe, noch mehr Störungen unter Wasser, so dass sie sich gegenseitig nicht mehr verstehen können. Die Inselbewohner verstehen ihn nicht: Naaf muss mitarbeiten, was stimmt nicht mit ihm? Was fehlt ihm?

Plötzlich, obwohl Nepke Boets gewarnt hat - sie weiß das Wetter noch aus dem Flug der Vögel abzulesen- gibt es einen großen Sturm. Naaf ist weg. Alle suchen ihn und Steur sieht Naafs blaue Mütze im Wasser.

 

Jetzt kommen die Fischernetze von Nepke Boets gerade recht! Steur knotet alle Fischernetze, die es noch gibt, aneinander und an alle Fahrräder der Inselbewohner, aber wie kommt Naaf in das Netz? Ein Wal bringt ihn auf seinem Rücken zum Netz und eine Spezialkonstruktion von aneinander gebundenen Fahrrädern zieht das Riesennetz mit Naaf aus dem Wasser.

 

Dann erst spricht Naaf seine ersten Worte: Ich hab‘ sie gesehen. Ich hab‘ die Wale gesehen.

Naaf ist ein poetischer Text in einer herrlichen, manchmal erfundenen Sprache über Sehnsucht, über Nachkommen, die Erwartungen ganzer Generationen beantworten müssen, über Klima, über die Habgier der Insel-Bewohner, oder sollte man sagen der Erd-Bewohner. Über Konsum, über die Geschichte einer Gemeinschaft, die man nicht so leicht zur Seite schieben sollte. Über Stillbleiben im großen Wirbel der Welt. Über das Meer.

 

Und... ja, wie kann es auch anders sein, über Fahrräder...

SCHERBEN KINDER von Fabian Hartje (D) 14+

Es gibt Texte, die erinnern. Und es gibt Texte, die aufbrechen. SCHERBEN KINDER ist beides.

Fabian Hartje schreibt – wie der Untertitel offenlegt – „nach Motiven aus“ Frank Wedekinds FRÜHLINGS ERWACHEN. Doch was hier geschieht, ist keine Bearbeitung im klassischen Sinn. Es ist keine Aktualisierung. Kein bloßes Übertragen ins 21. Jahrhundert. Es ist eine frische Umschreibung – eine radikale Neuverortung.

 

Wedekinds Figuren treten hier nicht als literarische Denkmäler auf, sondern als atmende, scrollende, vapesaugende, sich selbst überhörende Jugendliche unserer Gegenwart. Sie sprechen in der Sprache ihrer Zeit – fragmentiert, ironisch, explizit, tastend. Und doch tragen sie denselben existenziellen Kern in sich wie einst:
Scham. Begehren. Orientierungslosigkeit. Die verzweifelte Suche nach Identität.

 

Der Frühling dieses Textes ist kein romantischer Neubeginn – er ist ein ungeschützter Ausnahmezustand. Ein Aufbruch ohne Geländer. Ein „Ich will was spüren“ in einer Welt, die längst alles vorstrukturiert hat. 

 

Und genau hier setzt die vielleicht klügste, radikalste Entscheidung dieses Stücks an: Der Anfang gehört nicht den Jugendlichen. Er gehört den Erwachsenen.

Gleich im Prolog tritt der „Chor der Lehrer und Erwachsenen“ auf – selbstironisch, sich selbst kommentierend, leicht lächerlich, aber keineswegs harmlos. Sie erklären, sie relativieren, sie korrigieren sich. Sie sprechen von Kategorien, von Schubladen, vom „Kreislauf“. Sie witzeln über Alter, Relevanz, Sichtbarkeit. Und während sie behaupten, gleich zu verschwinden, geschieht etwas Entscheidendes:

 

Sie machen sichtbar, dass diese Welt ihre Welt ist.

Die Bühne gehört scheinbar den Jungen – aber strukturiert wird sie von den Alten.

 

Die Erwachsenen geben vor, marginalisiert zu sein – „ab 35 nicht mehr interessant“ –doch in Wahrheit sind sie die ordnende Instanz. Sie definieren Normen, Praktika, Versetzungen, Lebensläufe. Sie haben das System gebaut, in dem die Jugendlichen nun atmen müssen. Und genau dadurch wird klar:

Unsere Welt ist – trotz angeblichen Jugendkults – die Welt alter Leute.

Die Jungen bewegen sich in einem Gefüge, das sie nicht geschaffen haben. Sie rebellieren nicht mehr frontal – sie versuchen zu navigieren. Zwischen Noise-Cancelling-Kopfhörern und Erwartungsdruck. Zwischen Selbstoptimierung und Selbstverlust. Der Prolog ist daher kein Gag. Er ist eine Machtdemonstration im Gewand der Selbstironie.

Und wenn die Erwachsenen rufen: „Immerhin hatten wir diesen Prolog“ – dann klingt darin nicht nur Komik, sondern Besitzanspruch.

Wie bei Frühlings Erwachen geht es um Körper. Um das Erwachen.

 

Um die gefährliche Mischung aus Neugier und Unwissen. Doch Hartje verschiebt die Perspektive. In einer Zeit, in der Jugendliche scheinbar alles wissen – weil sie alles sehen können –, entsteht eine neue Form der Verunsicherung. Pornografie ersetzt Aufklärung, Dauerbeschallung ersetzt Selbstgespräch, digitale Nähe ersetzt echte Intimität. Wendlas Wunsch „Ich will was spüren“ ist dabei das erschütternde Zentrum des Stücks. Er ist Sehnsucht und Selbstgefährdung zugleich. Was bei Wedekind tragisch unausweichlich erscheint, wird hier zu einer verstörenden Suche nach Intensität in einer überreizten Welt. Gewalt entsteht nicht aus moralischer Verdrängung allein – sondern aus emotionaler Überforderung.

 

Die Jugendlichen in SCHERBEN KINDER sind keine Opfer im klassischen Sinn.
Sie sind hochreflektiert – und gerade deshalb verloren.

Sie sprechen klug. Sie analysieren. Sie wissen um Strukturen. Und stehen doch ratlos darin. Das macht die Modernität dieses Textes aus.

 

Fabian Hartje gelingt etwas Seltenes: Er schreibt Jugend nicht als Behauptung, sondern als Zustand. Die Dialoge sind schnell, brüchig, komisch – und dann plötzlich von brutaler Ehrlichkeit. Ironie kippt in Ernst. Coolness in Panik. Lässigkeit in existenzielle Angst. Besonders in den Monologen – Inas Angst vor dem eigenen Inneren, Theas Wut, Moritz’ Überforderung – entsteht eine Dringlichkeit, die nicht literarisch wirken will, sondern gegenwärtig. Das ist keine nostalgische Rückschau auf Jugend. Das ist Jugend im Jetzt.

 

SCHERBEN KINDER ist mutig. Formal. Sprachlich. Inhaltlich.

Hartje nimmt einen kanonischen Stoff und verneigt sich nicht ehrfürchtig, sondern widerspricht ihm produktiv. Er zeigt: Der Frühling ist noch da. Aber er fühlt sich anders an. Und vor allem: Er beginnt nicht mehr im Verborgenen, sondern unter den Augen einer Erwachsenenwelt, die behauptet, nicht mehr wichtig zu sein und die doch alles strukturiert.

 

Diese Verbeugung vor Wedekind und gleichzeitige Emanzipation von ihm macht die Qualität dieses Textes aus.

 

Mit SCHERBEN KINDER schafft Hartje einen Text, der Wedekinds Fragen in unsere Gegenwart übersetzt – nicht als Zitat, sondern als Reibung.

 

Einen Text, der zeigt, dass Erwachsenwerden noch immer ein Risiko ist. Dass Freiheit noch immer gefährlich ist. Und dass die Welt, in die junge Menschen hineinwachsen, nicht neutral ist – sondern gebaut. Von uns.

 

Herzlichen Glückwunsch zum 2. Preis des deutsch-niederländischen Autoren*innenwettbewerbs Kaas & Kappes.

 

Und danke für diesen scharfen, ungeschützten, notwendigen Frühling.


 

KLASSENCARROUSEL von Jip Vuik (NL) 4+/6+/8+

Was für ein herrliches und dynamisches Karussell: drei Texte in einem. Autor Jip Vuik bedient gleichzeitig drei Altersgruppen zur gleichen Zeit: Erst die 4-Jährigen, parallel dazu die 6-Jährigen und zeitgleich die 8-Jährigen. Jede der drei Gruppen bekommt eine auf ihr Alter zugeschnittene Vorstellung. Unterschiedlich, was den Inhalt und den Sprachstil angeht, aber basierend auf der gleichen Ideologie: Das freie Leben soll gelebt werden.

 

Es geht um vier Kinder aus einer merkwürdigen Familie. Sie müssen sich zum ersten Mal an bürgerliches Leben anpassen, was sie noch nie gemacht haben: in die Schule gehen und mitmachen. Sie kommen nämlich aus dem Zirkus; das war bis zu diesem Tag ihr Leben, das hat bestimmt, wie sie sich bisher gefühlt und verhalten haben.

Wir erfahren: Heutzutage ist Zirkus nicht mehr so beliebt; und somit hat die Zirkusfamilie nicht viel Geld: Das Zelt ist undicht, es regnet durch die Plane, die Kostüme sind zerrissen, und um Geld zu sparen, müssen alle Familienmitglieder im Programm mitwirken, auch die Kinder. Elend also. Außerdem verbietet der Tierschutz das Auftreten von wilden Tieren, weshalb die einzige Attraktion des kleinen Zirkus, ein Elefant, vor möglichen Kontrollen vom Aufsichtsamt versteckt werden muss! Ausgerechnet an dem Tag, als ein solcher Kontrolleur auftaucht, fängt auch noch das Kassengebäude Feuer und der Elefant verschwindet. Der Zirkus wird vorübergehend geschlossen und die Kinder müssen so lange die örtliche Schule besuchen.

 

Sie sollen in ihren jeweiligen Jahrgangsstufen am Unterricht teilnehmen wie ‘normale Kinder’ und machen sich Gedanken: Können sie sie selbst bleiben? Dürfen sie ihre besonderen Geschichten frei erzählen? Werden sie als merkwürdig und unangepasst wahrgenommen oder doch ziemlich wie alle anderen Kinder angesehen? Wir erleben das in drei gleichwertigen Teilen.

 

Die Kinder werden auf das Publikum aufgeteilt. Zu den Jüngsten Vorschulkindern kommt Bekka (4 Jahre alt) und erzählt über ihre Familie und ihre Freundschaft mit Wasi, dem Elefant. Der Junge Riet (eigentlich heißt er Rinus) ist 7 und zeigt den Schulanfängern, dass er alle Sprachen der Welt spricht und magisch denken kann. Die beiden ältesten Charles (Sjaal, 14) und Ilona (Loon, 13) gehen zusammen in eine höhere Klasse und versuchen, so normal wie möglich zu sein. Aber ob das gelingt?

 

Draußen auf dem Hof werden alle Kinder von einem Elefanten überrascht, der die Geschichte offen und theatral verbindet. 

 

Zwei erfrischende Solos und ein von Leidenschaft getriebener Dialog als eine Vorstellung - zu Recht ein spielerisches Theater-Karrussel. Jedes Alter bekommt so sein eigenes Stück. Ingeniös und überraschend. Inventif, transparent und angemessen.

 

Die drei Texte brechen etwas auf: einen freien, offenen und romantischen Raum. Es zeigt sich ein unbekanntes System und fordert auf, auf eine andere Weise als gewohnt auf die Wirklichkeit zu schauen. Die drei Texte funktionieren zusammen wie drei Pferde, die im Karussell gemeinsam einen Wagen ziehen, und lassen uns diese fantastische Dynamik wiedererkennen. 

 

Vuik schaut mit scharfen und zugleich liebevollen Augen auf seine Figuren. Sein Text ist scheinbar leicht, aber wirkt nie bequem. Er zeigt eine unglaublich schöne Verletzbarkeit. Seine Sprache ist immer klar, spielerisch rhythmisch, sie ist roh und poetisch zugleich und damit äußerst gut spielbar. Es gibt Raum zum Bebildern, für Spieler und Zuschauer.

Und es ist angenehm verwirrend. Was sehen wir? Themen wie: Akzeptiertwerden, Anderssein und Träumenwollen werden zusammen gemischt und machen sowohl Identifikation als auch Zugänglichkeit möglich.

 

Es hört sich vielleicht kompliziert an, aber das ist es auf keinen Fall. Drei Welten verschmelzen auf eine Weise, die uns – die Jury- heimlich seufzen ließ: ‚Schade, dass nicht alle alles sehen können!‘ Aber wir konnten alles lesen und die einzelnen Teile verbinden und damit ihre Kraft erfahren. Das hat den theatralen Kreis rund gemacht und die Geschichte komplett.  

 

Die außergewöhnlichen Figuren und der Text im Ganzen sind so schön und liefern pure Empathie. Und sie ermöglichen, ohne sentimental zu werden, einen gleichermaßen wahrhaftigen wie romantischen Blick auf ein Leben, was vielleicht vorbei geht, aber nie aufhören wird, uns zu verführen - den Zirkus.

 

KLASSENKARROUSSEL ist kein edukatives Experiment, sondern ein vollständiges artistisches Statement. Das Karussell dreht sich immer weiter und wer darauf steigt, steigt nach einer Weile verzaubert und hoffentlich leicht und angenehm verändert wieder ab. 

Klassencarrousel van Jip Vuik (NL) 4+ 6+ en 8+

 

Wat een heerlijke en dynamische draaimolen; drie teksten voor de prijs van één. Auteur Jip Vuik bedient drie leeftijdsgroepen binnen dezelfde school op dezelfde dag. Eerst de 4-jarigen, parallel de 6-jarigen en daarna de 8-jarigen. Alle drie een op hun leeftijd toegespitste voorstelling. Alle drie anders van inhoud en zeggingskracht, maar vanuit dezelfde achtergrond en ideologie: het vrije leven.

 

Vier kinderen komen uit hetzelfde merkwaardige gezin. Ze moeten nu enorm wennen, want ze gaan voor het eerst naar een gewone school. Ze zijn namelijk geboren in het circus en dat was hun leven, dat was wie ze waren. Maar in deze tijden floreert het circus niet meer. De tent is gaan lekken, kostuums zitten vol scheuren en tot overmaat van ramp is de kassa afgebrand en de olifant ontsnapt. Ellende dus. Omdat op het terrein een onderzoek plaatsvindt naar die dramatische gebeurtenissen moeten de kinderen doen wat ze nog nooit deden: naar een gewone school. 

 

Ze moeten zich gaan gedragen als ‘gewone kinderen’, en vragen zich af: kunnen ze zich wel blijven uiten zoals ze gewend waren, in die voor hen onbekende wereld? Mogen ze hun bijzondere verhaal wel vertellen en zijn wie ze zijn? En, zijn ze onaangepast en raar of passen ze er toch gewoon wonderwel tussen? We gaan het meemaken, in drie gelijkwaardige delen.

 

Bij de jongste kinderen komt Bekka (4 jaar oud) vertellen over haar vriendschap met Wasi, een heel bijzondere olifant. Riet (die eigenlijk Rinus heet) is 7 en gaat simultaan in een andere klas laten horen dat hij alle talen van de wereld kan spreken en magisch kan denken. Even later gaan Charles en Ilona (oftewel Sjaal, 13, de oudste en Loon, 11, de op-een-na oudste (gespeeld door dezelfde acteurs die `bekka en Riet speelden) samen de klas in en demonstreren hoe je zo ‘normaal mogelijk’ moet doen. En in de pauze worden de kinderen op het schoolplein aangenaam verrast door een heuse Olifant, die daar speelse rondjes draait en de boel theatraal verbindt.

 

Twee sprankelende solo’s en één gedreven dialoog. Met recht een speelse speelcarrousel; voor iedere leeftijd een eigen smaak. Hoe ingenieus en verrassend. Hoe inventief, transparant en prettig toegemeten. En ook onderhuids spannend; wat is er nou precies gebeurd? Wat verbindt deze kinderen en hun voormalige leven? Dat aspect alleen al deed de tekst opvallen. Maar doordat de afzonderlijke stukken ook ieder nog doordacht en inhoudelijk sterk zijn, kon de jury de tekst niet meer afschuiven als ‘goed gedaan’. Nee, deze tekst verdient een prijs.

 

Het breekt iets open; een vrije en romantische ruimte, het betreedt een onbekend systeem, het daagt uit tot een gekke manier van kijken. Dat de drie stukken in elkaar grijpen als de paarden in de draaimolen, maakt dat het geheel een herkenbare dynamiek toont. 

 

Vuik kijkt met een scherp en vooral liefdevol oog naar zijn personages. De tekst lijkt licht maar is nooit gemakzuchtig. De tekst laat juist steeds een mooie kwetsbaarheid zien. De taal is helder, ritmisch en uiterst speelbaar. Het heeft een rauwe herkenbaarheid, maar daaronder sluimert iets poëtisch. De tekst laat veel ruimte voor zowel spelers als toeschouwers. Het creëert een aangename verwarring? Wie zien we? Wat zijn ze? 

Heeft het nou met ons te maken of staat het ver van ons af? herkenbare thema’s als geaccepteerd willen worden, anders zijn en dromen worden door elkaar gehusseld en maken identificatie en toegankelijkheid compleet. 

 

De tekst oogt misschien wat ingewikkeld en ambitieus maar werkt geenszins zo. Drie werelden botsen en versmelten op een manier die ons deed verzuchten: wat jammer, dat je niet alle drie de stukken kunt zien. Dat maakt de theatrale cirkel rond en het verhaal van de vier verweesde kinderen compleet. maar wij mochten ze wel alle drie lezen en konden daardoor juist verbindingen leggen en de kracht van die verbinding ervaren.

 

De personages en de tekst zijn zo mooi, empatisch en bieden als geheel die waarachtige en  romantische kijk op het leven van vier uitzonderlijke kinderen, zonder sentimenteel te worden. Het is niet het zoveelste educatieve experiment maar een volwaardig artistiek statement. Klassencarrousel draait onafgebroken door en wie erop stapt, stapt zeker niet onbewogen weer af. 

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Veranstaltet von der Stadt Duisburg, Theater und Philharmonie, DER SPIELKORB in Zusammenarbeit mit dem KOM'MA Theater

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